Das Erzbistum Köln und seine Beziehung zur katholischen Kirche in Togo in den Jahren 1888-1920
Ein plötzlich wieder aktuelles Kapitel zur Kölner Kirchengeschichte

von Diakon Hans Gerd Grevelding

Im Jahr 1991 brachen in Togo politische Unruhen aus, die die Diktatur des Präsidenten Etienne Gnassingbe Eyadéma erschütterten. Die in Togo stattfindenden, gesellschaftlichen Ereignisse wirkten sich unmittelbar auf die ehemalige deutsche Kolonialmacht, die Kirche in Deutschland und die Kirche in Köln aus.
Ca. 12.000 Togolesen flüchteten nach Deutschland, um sich hier der Verfolgung zu entziehen. Sie bevorzugten Deutschland als neue Heimat, weil die Erzählungen der Groß- und Urgroßväter von den Deutschen ein positives Kolonialbild gezeichnet hatten und sie sich in Frankreich ihres Leben nicht sicher fühlten.
1993 kamen die ersten Togolesen auch nach Köln, wo sie u.a. in einem Asylbewerberheim in Köln-Neubrück untergebracht wurden.
Da alle Asylbewerber praktizierende Christen waren, ergaben sich schnell Kontakte zu der benachbarten Gemeinde St. Adelheid, wo der Frage nach dem Ursprung der Christianisierung Togos nachgegangen wurde: Hier wurde unvermittelt die Geschichte der katholischen Kirche in Köln wieder lebendig, die über achtzig Jahre obsolet erschienen war.

Durch die Kongokonferenz vom 15. November 1884 in Berlin und mit der Unterzeichnung der Kongoakte vom 26. Februar 1885 trat Deutschland in den Wettlauf der Kolonialmächte ein. Die Berliner Konferenz war durch das Sierra-Leone-Abkommen vom 28. Juni 1882 ausgelöst worden, in dem England und Frankreich sich gegenseitig gleiche Rechte in ihren Kolonien garantierten und nun im Begriff waren, den Kongo unter sich aufzuteilen.1
In Artikel 6 der Kongoakte wurde den Unterzeichnerstaaten das Recht auf Missionierung in ihren Kolonien zugestanden. An diesem Artikel konnte Papst Leo XIII. am 10. Dezember 1887 anknüpfen, als er Arnold Janssen, den Gründer der Steyler Missionsgesellschaft, fragte, ob er nicht in Afrika mit einer Missionstätigkeit beginnen wolle.2 Auf diesen Artikel nahm auch die Gründungsurkunde des Afrika-Vereins der deutschen Katholiken in Köln Bezug.

In den Jahren 1888-1889 lenkte Kardinal Lavigerie, Erzbischof von Karthago und Gründer der Weißen Väter, die im Großen Seen-Gebiet mit Sklavenhändlern zusammengestoßen waren, die Aufmerksamkeit, besonders der katholischen Öffentlichkeit in Frankreich, Belgien und Deutschland, auf den Sklavenhandel und die Sklavenjagd in Afrika.3

Mit der Antisklaverei-Enzyklika In plurimis vom 5. Mai 1888 rief Papst Leo XIII. gegen die Sklaverei auf. Hiervon und von der Antisklaverei-Bewegung Lavigeries angeregt, gründete in Köln Religionslehrer Dr. Karl Hespers im November 1888 den Afrika-Verein der deutschen Katholiken, der das Anliegen des Papstes unterstützte, indem er die Missionen in Afrika förderte.

1 HORST GRÜNDER, Geschichte der deutschen Kolonien, Paderborn 1995,
S. 45.
2 KARL MÜLLER, Geschichte der katholischen Kirche in Togo, St. Augustin
1958, S. 37.
3 FRITZ BORNEMANN, Arnold Janssen, der Gründer des Steyler
Missionswerkes (1837-1909), Rom 1969, S. 274.
Vorausgegangen war der Gründung am 27. Oktober 1888 ein Treffen der deutschen Antisklavereibewegung im Kölner Gürzenich, die im Rheinland ihren Ursprung hatte. Bei diesem Treffen wurde eine Resolution verabschiedet zur Unterdrückung der afrikanischen Sklavenjagden, die von den katholischen Zentrumsabgeordneten im Deutschen Reichstag eingebracht wurde, was unter anderem zu einer stärkeren Bejahung der Kolonialabsichten der Regierung durch das katholische Zentrum führte.4

Arnold Janssen hatte sich schon früher für Afrika interessiert. Er stand in Kontakt mit Daniel Comboni, dessen Nachfolger Bischof Sogara aus Zentralafrika ihn am 5. September 1887 in Begleitung eines afrikanischen Priesters besuchte, was ihn sehr beeindruckte.

Vom "Verein zur Unterstützung der armen Negerkinder in der zentralafrikanischen Mission", der 1852 in Köln gegründet worden war, wurden über Kairo, wo Comboni Direktor von drei "Neger"-Instituten war, Afrikaner aus der Sklaverei freigekauft. 5

Nachdem 1848 die erste deutsche Bischofskonferenz, zu der der Kölner Erzbischof Johannes von Geissel nach Würzburg eingeladen hatte, ins Leben gerufen worden war, hat Comboni, der sehr gut Deutsch sprach, auf einer der Folgekonferenzen sein Missionsprojekt für Afrika vorgestellt.6
Der Verein entfaltete unter Pfarrer Gottfried H.Nöcker seine größte Wirkung und wurde für die Missionstätigkeit Combonis die wertvollste Stütze in Deutschland. Nöcker hatte von 1863 bis zu seinem Tod im Jahr 1889 die Präsidentschaft dieses Vereines inne.7
Über ihn sandte Arnold Janssen im Jahr 1872 Geld zum Freikauf von acht Sklavenkindern an Comboni.8

Arnold Janssen mußte fünf Jahre warten, bis alle Voraussetzungen für eine Entsendung der ersten Steyler Missionare erfüllt waren.

So mußte die Jurisdiktion der Lyoner Missionare aufgehoben, Togo aus der Apostolischen Präfektur Dahomeys ausgegliedert sowie die Erhebung Togos zur Apostolischen Präfektur durch die Propaganda-Kongregation im Vatikan beschlossen werden; letzteres erfolgte am 22. Februar 1892 und wurde am 13. März 1892 von Papst Leo XIII. bestätigt.9

Erste Erfahrungen in der Missionstätigkeit lagen von den Lyoner Missionaren aus
Togo vor, wo die beiden ersten Lyoner Missionare zwar in Atakpame/Togo freundlich aufgenommen, später aber vergiftet worden waren.10

Kardinal Simeoni, Präfekt der Propaganda-Kongregation, hatte sich bereits 1890 der Forderung der deutschen Reichsregierung angeschlossen, ausschließlich deutsche Missionare nach Togo und Kamerun zu entsenden. Dies sollte sich nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg für die Kolonien Deutschlands zum Nachteil für die einheimische Bevölkerung herausstellen, denn die deutschen Missionare mußten die Kolonien verlassen und anderthalb Millionen deutschsprachige Neuchristen blieben den fremdsprachigen Engländern und Franzosen überlassen.


4 ULRICH S. SOÈNIUS, Koloniale Begeisterung im Rheinland während des
Kaiserreichs, Köln 1992, S. 94.
5 FIDEL GONZALES, Comboni en el corazon de la mision africana, Madrid
1993, S. 224.
6 Ebd., S. 223.
7 Ebd., S. 224.
8 FRITZ BORNEMANN (wie Anm. 3), S. 30.
9 KARL MÜLLER (wie Anm. 2), S. 41.
10 Ebd., S. 10.
1892 war es endlich so weit. Fünf Steyler Missionare, 2 Priester und 3 Brüder, wurden für den Missionsdienst in Togo ernannt und mit einem feierlichen Pontifikalamt, das am 17. Juli 1892 der Kölner Kardinal Dr. Philippus Krementz in Steyl zelebrierte, mit der Überreichung der Missionskreuze verabschiedet. An der hl. Messe nahmen auch Mitglieder des Afrika-Vereins der deutschen Katholiken aus Köln teil, unter ihnen der Kölner Zentrumsabgeordnete Karl Reichensperger als Präsident; Religionslehrer Hespers, der 1891 in den preußischen Kolonialrat berufen worden war, und dem er bis 1908 angehörte, hatte zwar sein Kommen zugesagt, war aber dann verhindert. Kardinal Krementz war wie alle Kölner Erzbischöfe Ehrenpräsident des Afrika-Vereins der deutschen Katholiken. 11

Pater Johannes Schäfer, der erste Apostolische Propräfekt Togos, sagte in seiner Abschiedsrede zu seinen Mitbrüdern: Mutig ziehen wir hinaus zu den Schwarzen, wir bangen und zittern nicht, denn wir wissen, daß in Deutschland sowie hier in unserem Haus täglich viel für uns gebetet wird. 12

Der frühere Erzbischof von Köln, Paulus Melchers, der am 27. Juli 1885 zum Kurienkardinal und gleichzeitig zum Mitglied der Propaganda Fide ernannt worden war, hatte infolge des Kulturkampfes zehn Jahre in der Nähe der Stadt Maastrich/Holland in einem Franziskanerkloster im Exil gelebt.13 Er hat die Beauftragung des Steyler Missionsordens maßgeblich unterstützt. Ihm war Arnold Janssen bereits aus seiner Zeit als Kölner Erzbischof bekannt. Während seines Exils hat jener ihn wiederholt besucht und bei jedem Rombesuch fand ein Treffen der beiden statt.

Die fünf Neumissionare schifften sich am 21. Juli 1892 in Hamburg auf dem Woermann-Schiff "Erna" ein und erreichten am 27. August Lomé.14
Alfred Woermann dominierte den Westafrikahandel und vertrat seine Interessen auch als nationalliberaler Abgeordneter im Berliner Reichstag. Verflechtungen von Politik und Wirtschaft lassen sich ebenfalls in der Person des Fachreferenten für koloniale Fragen im Auswärtigen Amt, Heinrich von Kusserow, Schwager des Geschäftsinhabers der Berliner Diskonto-Gesellschaft und Enkel des Kölner Bankiers Dr. Friedrich Carl von Oppenheim aufzeigen.15 Die Kölner Privatbank Oppenheim war in zahlreichen Vorständen von Handelsgesellschaften, die mit den neuen Kolonien Handel trieben, vertreten. Dr. Friedrich Carl von Oppenheim war als entsandtes Mitglied der Kölner Industrie- und Handelskammer seit 1897 Mitglied im Kolonialrat.16

Als die Steyler Missionare nach Togo kamen, zählte Lomé 1700 Einwohner17, von denen nur 40 Katholiken waren.18 Das neue Missionsgebiet umfaßte ca. 88.000 Quadratkilometer.19 Lomé wurde von den Einheimischen alutime/alotime (Wald, wo die Bäume stehen, deren Äste man zum Zähneputzen benutzen kann ) genannt.

Schon am nächsten Tag erhielten die Missionare Besuch vom Häuptling Octaviano Olympio von Lomé. Bereits bei seinem ersten Gespräch bat er die Patres um den Bau einer Schule.20


11 KARL MÜLLER (wie Anm. 2), S. 44.
12 Ebd., S. 44.
13 TONI DIEDERICH, NORBERT TRIPPEN, WOLFGANG HERBORN, Das
Erzbistum Köln. Das 19. Jahrhundert, Heft 4 , S. 24 ff.
14 KARL MÜLLER (wie Anm. 2), S. 45.
15.HORST GRÜNDER (wie Anm. 1), S. 52.
16 ULRICH S. SOÈNIUS (wie Anm. 4), S. 106.
17 KARL MÜLLER (wie Anm. 2), S. 48.
18 Ebd., S. 49.
19 Ebd., S. 16.
20 Ebd., S. 49.
Octaviano Olympio war 1860 zu Agoue geboren und getauft worden. Sein Vater war portugiesischer Abstammung und gehörte zur Gruppe der Afro-Brasilianer. Octaviano hatte fünf Jahre die Schule in England besucht. Er sprach Englisch, Französisch, Portugiesisch, Ewe, Haussa, Yoruba und weitere regionale Dialekte. Er wird als fleißiger Mensch und kluger Kaufmann beschrieben, dem bereits in jungen Jahren eine Kokosplantage in Bagida, eine Ziegelei und eine Kopraplantage gehörten 21 Mit dem künftigen Präfekten der Steyler Missionare, Pater Hermann Bücking, sollte er sich befreunden, sein Neffe Silvanus Olympio eines Tages Präsident des unabhängigen Staates Togo und sein Großneffe Gilchrist in unseren Tagen einer der profiliertesten Oppositionsführer seines Landes werden. So weit der Blick in die Zukunft.22
Noch am selben Tag nahmen die fünf Missionare mit vier Jungen den Schulunterricht auf. Die Missionare wohnten in einem Haus, das sie in Einzelteile zerlegt von Deutschland mitgebracht hatten, sozusagen im ersten Fertigbauhaus.23

Am 7. Juli 1896 fand eine Halbjahresversammlung des Afrika-Vereins in Köln statt, bei der über Togo wie folgt berichtet wird: In Togoland gibt es fünf Hauptstationen: "Lome, Togo, Porto-Seguro, Klein-Popo und Adjido. Weiterhin fünf Nebenstationen, sieben Priester, acht Laienbrüder, achtzehn einheimische Lehrer und zwei Lehrerinnen. Dank der Spenden des Afrika-Vereins konnte die Joseph-Station in Porto-Seguro, der Hospitalbau in Togostadt, die Missionsstation in Klein-Popo und die Mission in Degbenu sowie folgende Schulen eröffnet werden: Aguenive am 29.4., Akeppe am 4.5., Bagida am 12.9.und Anutive-Be-Bi am 7.10.
3000 neue Kaffeebäume waren gepflanzt worden und 1200 gepflanzte Bäume aus dem Vorjahr gut angewachsen. Deshalb entschied sich der Afrika-Verein die Mission 1896 mit 10.000 Mark zu unterstützen, 1897 weist Domkapitular Hespers 6000 Mark an, 1902 waren es 11.000 Mark, 1918 2.800 Mark und 1920 letztmalig 5600 Mark, die der Togo-Mission zugute kamen."24

Erst 1898 entschieden sich die Steyler zum ersten Hausbau, und Octaviano Olympio lieferte ihnen hierfür die Ziegelsteine. Am 22. April 1901 begannen sie mit dem Bau der Herz-Jesu Kirche in Lomé, die am 21. September des Jahres 2002 ihr 100-jähriges Jubiläum der Einweihung gefeiert hat.25 Auch zu diesem Bau steuerte Octaviano Olympio einen beachtlichen Teil des erforderlichen Ziegelmaterials bei. Am 21. September 1902 wurde die Kirchweihe gefeiert und dabei die Lieder: "Alles meinem Gott zu Ehren", "Gelobt sei Jesus Christus" und "Dem Herzen Jesu singe" auf Ewe gesungen wurden .26 Bei den Festansprachen richtete Olympio im Namen der Bevölkerung von Lomé seinen Dank an die Steyler Missionare aus.27 Die Kathedrale von Lomé - liebevoll von Kardinal Joachim Meisner "Kathedrälchen" genannt - ist eine äußerlich originalgetreue Nachbildung der in Steyl gebauten Ordenskirche.

Dem deutschen Staat dienten die katholischen und evangelischen Missionare in der Anfangszeit oftmals als Vermittler und Übersetzer.28 Sie hatten Einfluß auf das Zustandekommen von Schutzverträgen. In Togo interessierte sich die preußische Regierung für den Schutz ihrer Händler und Kaufleute, die vor allem Branntwein, Waffen und Pulver exportierten. Die erste deutsche christliche Mission in Togo wurde 1847 von der evangelischen Norddeutschen Missionsgesellschaft aus Bremen gegründet, die besonders das Volk der Ewe missionierte.29


21 KARL MÜLLER (Anm. 2), S. 49.
22 Ebd., S. 495.
23 Ebd., S. 45.
24 Historisches Archiv des Erzbistums (=AEK), CR I 22.27.
25 KARL MÜLLER (Anm. 2), S. 122.
26 Ebd., S. 126.
27 Ebd., S. 128.
28 HORST GRÜNDER (Anm. 1), S. 127.
29 Ebd.
Bereits 1857 entstand der Schlüssel zur Ewesprache durch J. B. Schlegelschen, der 1907 durch die Grammatik der Ewesprache durch Diedrich Westermann zum Standardwerk der Ewesprache avancierte.30

Reichskommissar Dr. Gustav Nachtigal hatte bereits am 5. und 6. Juli 1884 zur Sicherung des nicht unbeachtlichen Handels (namentlich Firma Wölber & Brohm) das Togo-Gebiet bei Bagida und Lomé ohne besondere Instruktionen unter kaiserlichen Schutz gestellt.31 In seinem Schreiben vom 26. März 1884 an den Großindustriellen Friedrich Alfred Krupp hatte er diesem mitgeteilt, daß er nach Westafrika auf Informationsreise gehe, was dann zur Erwerbung der Westküste Afrikas führte. Der mit König Mlapa vereinbarte Schutzvertrag vom 5. Juli 1884 wurde damals von einem Verwandten des Dorfchefs in seinem Namen unterzeichnet; dadurch wurden die kolonialen Ansprüche gegenüber den Franzosen und Engländern gesichert, die die Nachbarn der neuen deutschen Kolonie waren.32 Die in Büchern immer wieder aufgestellte These vom Vertrag mit einem bereits verstorbenen König Mlapa entspricht nicht den historischen Fakten.

Die noch namenlose Schutzzone nannten die Deutschen nach dem See (Lac du Togo) und dem Dorf Togo (Togoville) nunmehr Togoland. Der Name setzte sich in der Folgezeit international durch. Der Namensgebung lag jedoch auf deutscher Seite ein Verständigungsproblem zugrunde. Auf die Frage, wo denn König Mlapa wohne, antworteten die Einwohner in ihrer Sprache "togodo", was übersetzt heißt:
"hinter dem gegenüberliegenden Ufer (godo) des Sees/Flusses (to) ".

Mit dem Erwerb Togos erhoffte sich die Reichsregierung einen Zugang zum Nigerbecken, diese Hoffnung mußte sie jedoch bald aufgeben.33 Im Laufe der Zeit kamen Beamte und Soldaten nach Togoland, deren Anzahl jedoch nie mehr als 350 -560 Personen ausmachte.
An der Spitze der neuen Verwaltung standen Kaiserliche Kommissare, Landes-hauptmänner oder Gouverneure. Ihnen unterstanden militärische Stationsleiter. Im Gegensatz zu den anderen deutschen Kolonien, die von Skandalen, Mißständen und der Raubbaupolitik der Konzessionsgesellschaften erschüttert wurden, galt Togoland als Musterkolonie mit fast ausgeglichenem Etat, obwohl es auch in diesem Land Skandale gab.
Nach Zahlung der Zölle für jedes Faß Palmöl und Palmkerne an die einheimischen Häuptlinge gewährten diese den Kaufleuten freie Ausübung sämtlicher Handelsgeschäfte.

Unter dem Gouverneur Graf Julius von Zech (1905-1910), einem Katholiken aus Bayern, wurde für eine Diversifikation der angebauten Pflanzenkulturen gesorgt.34
Bei den Händlern und Plantagenbesitzern standen sich eingeborenenfeindlich, auf Ausbeutung bedachte Plantagenbesitzer sowie sich einer christlichen Unterweisung verpflichtete und human-paternalistische Standpunkte vertretene Händler gegenüber. In Togoland lebte einer der Verfechter des human-paternalistischen Standpunktes, der Westafrikahändler aus Bremen, Johann Karl Vietor (1861-1934), der in seiner Faktorei ausschließlich freiwillige und verhältnismäßig gut bezahlte Arbeiter beschäftigte. Er stand als Protestant in enger Beziehung zur Norddeutschen Missionsgesellschaft.35


30 HORST GRÜNDER (Anm. 1), S. 127.
31 HORST GRÜNDER "...da und dort ein junges Deutschland gründen"
Rassismus, Kolonien und kolonialer Gedanke vom 16. bis zum 20. Jahrhundert.
München 1999, S. 94.
32 HORST GRÜNDER, Deutschland (Anm. 31), S. 111ff.
33 HORST GRÜNDER (Anm. 1), S. 129.
34 HORST GRÜNDER, Deutschland (Anm. 31), S. 101.
35 HORST GRÜNDER, Deutschland (Anm. 31), S. 226.
Im Jahr 1900 stellte die Kölner Abteilung der Deutschen Kolonialgesellschaft (DKG) - eine Wirtschafts- und Kolonialinteressenvereinigung - bei der Hauptversammlung der Deutschen Kolonialversammlung einen Antrag zu einer Eingabe an den Reichskanzler, in der man den Bau einer Landungsbrücke in Lomé und den Bau einer Telegraphenlinie für Togo forderte.36 Diesem Antrag wurde stattgegeben. Bereits 1895 war auch Hespers in den Vorstand dieser Gesellschaft gewählt worden. Im Mai 1896 erfolgte seine Ernennung zum Domkapitular, und am 30. Juni 1896 wurde er in der Metropolitankirche zu Köln eingeführt. In seiner Person wurden die katholische Kirche (Afrika-Verein), die Wirtschaft ( Deutsche Kolonialgesellschaft) und die Politik (Kolonialrat) vernetzt. Seine Informationen erhielt er direkt von den Missionaren aller Missionsgesellschaften, denen er über die Spendentätigkeit aus allen (Erz-) Bistümern Deutschlands jährlich finanzielle Unterstützungen zufließen lassen konnte. Bis 1915 seinem Todesjahr gehörte er dem Vorstand der DKG an. Er fand auf dem Friedhof neben dem Kölner Dom seine letzte Ruhestätte. Zu seinen Lebzeiten wurde er Päpstlicher Hausprälat, Ehrendomherr des Metropolitankapitels von Karthago, Professor, Erzbischöflicher Generalvikariatsrat, Prosynodal-Examinator, Vorsitzender der Glaubensverbreitung zu Köln, Mitglied des Verwaltungsrates des St. Vinzenzhauses; Inhaber des Kronenordens III.,des Roten-Adler-Ordens IV. und des Strahlenden Sterns von Sansibar II. Klasse.37
Auch Oppenheim und Karl Reichensperger, der langjährige Vorsitzende des Verwaltungsausschusses des Afrika-Vereins, fanden ihre letzte Ruhestätte in Köln und wurden auf dem Melatenfriedhof beigesetzt.

Die von der Kölner DKG beantragte Landungsbrücke wurde 1904 fertiggestellt; hier liefen ab 1905 die Zugverbindung Lomé-Anecho, 1907 Lomé-Palime und 1911 Lomé-Atakpame zusammen.38

Im Zuge der Missionierung und des Handels mit Togo kamen ebenfalls die ersten Togolesen nach Deutschland. Einen Hinweis hierauf findet sich im Taufregister des Kölner Domes, in dem am 13. März 1903 die Taufen von acht Togolesen dokumentiert sind (zwei Männer und sechs Frauen). Es läßt sich nicht ermitteln, ob diese Taufen von Domkapitular Hespers selbst gespendet wurden, aber vieles spricht für diese Annahme.39

Vietors human-paternalistische Grundhaltung wurde von den Steyler Missionaren geteilt, die trotz grundsätzlicher Bejahung des Kolonialismus immer wieder die Rolle des Anwalts für die Afrikaner wahrgenommen hatten.40
Einer der Fälle, in dem sich die Steyler Missionare für die Togolesen einsetzten, soll wegen der politischen Konsequenzen für Togo, das deutsche Kaiserreich, für die Steyler Missionsgesellschaft und der u.a. hieraus resultierenden Behauptung der Kolonieunfähigkeit der Deutschen exemplarisch beschrieben werden.

Im Februar 1900 wurde der Bezirk Atakpame von dem 30-jährigen Stationsleiter Geo A. Schmidt übernommen. Schon im Oktober desselben Jahres kam es zu ersten Mißtönen zwischen den Missionaren und ihm, besonders aber zwischen ihm und dem vorerwähnten Apostolischen Propräfekten Pater Hermann Bücking, dem Leiter der katholischen Mission in Atakpame.41

36 ULRICH S. SOÈNIUS (Anm. 4), S. 73.
37 AEK, CR I 22.27.
38 HORST GRÜNDER (Anm.1), S. 131.
39 Hohe Domkirche zu Köln: Taufregister vom 13. März 1903.
40 HORST GRÜNDER, Deutschland (Anm. 31), S. 226.
41 KARL J. RIVINIUS, Akten zur katholischen Togo-Mission, in: Neue
Zeitschrift für Missionswissenschaft, 35 (1979) S. 130.
Waren zu Anfang der Kolonialgeschichte die Interessen der Kolonialbeamten von der Idee geleitet, eine nationale Tat zu vollbringen42, die einen betrachteten sie in einem politischen, die anderen in einem religiösen Sinne, wobei die Erziehung zur Arbeit ein Fundamentalsatz der deutschen Kolonialideologie und Kolonialpädagogik schlechthin war.43

Auch in den Missionen wurden die christlichen Normen von "ora et labora" vermittelt, so daß die bei ihnen ausgebildeten Angestellten und Arbeiter für die Verwaltung und Wirtschaft der Kolonie großen Wert besaßen.44

Doch das ungezügelte Verhalten der meist unverheirateten Kolonialbeamten führte zu schwerwiegenden Auseinandersetzungen mit den Steyler Missionaren, die die einheimische Bevölkerung nicht selten gegen Übergriffe in Schutz nahmen. Die Konflikte mit Geo A. Schmidt eskalierten 1903 so sehr, daß einige der Steyler Missionare in Atakpame verhaftet und inhaftiert wurden.45
In der Folge kam es zum Zusammenbruch der bisherigen Kooperation von Staat und Kirche, denn der Vorfall wurde auch in Deutschland bekannt und führte zu einer leidenschaftlich geführten Debatte über das Für und Wider der Kolonialpolitik.46 In diesem Konflikt versuchten sowohl der Reichtagsabgeordnete und Zentrumspolitiker Franz Ludwig Prinz von Arenberg, der auch Mitglied der deutschen Kolonialgesellschaft war, als auch Domkapitular Hespers zwischen den zerstrittenen Parteien zu vermitteln.47
1904 wurde Geo A. Schmidt nach Kamerun versetzt. Trotzdem kam es weiterhin im Reichstag zu heftigen Debatten über die Kolonialpolitik. Zentrumsabgeordnete forderten, die bestgeeignetsten Beamten in die Kolonien zu schicken.48 Der Zentrumsabgeordnete Matthias Erzberger plädierte für eine gesetzliche Fixierung der Rechte für die Einheimischen und deren sorgfältige Beachtung, denn es könne nicht weiter geduldet werden, Eingeborene wie vollkommene Sklaven zu halten.49
Am 13. Dezember 1906 wurde mit den Stimmen der Zentrumsabgeordneten ein Nachtragshaushalt für die Kolonien um 9 Millionen Mark gekürzt. Reichskanzler Bernhard von Bülow nahm dies zum Vorwand, den katholischen Zentrumsabgeordneten antikoloniale und antinationale Politik vorzuwerfen; er löste den Reichstag kurzerhand auf. Dieser Vorwurf entbehrte jeglicher Grundlage und diente nur der Absicht, die Zentrumspartei in Mißkredit zu bringen. Bei den nun anstehenden Neuwahlen rangierten die Kolonien als Wahlthema schlechthin, so daß diese Wahlen als "Hottentottenwahlen" in die Geschichte eingingen. Ihren Einsatz für die Afrikaner mußten die katholischen Zentrumsabgeordneten in der Zeit von 1906 bis 1909 auf der Oppositionsbank ohne jegliche politische Mitgestaltungsmöglichkeit büßen.50

Nachdem das Verhalten von Geo A. Schmidt in der Reichstagssitzung vom 3. Dezember 1906 vom Kölner Zentrumsabgeordneten Hermann Roeren öffentlich bekannt gemacht wurde, ging Schmidt an die Presse und warf jenem frivole Ehrabschneidung und Mißbrauch der Reichstagstribüne vor.51
Die Angelegenheit endete vor dem Kölner Schöffengericht, das am 28. September 1907 gegen Schmidt ein Urteil fällte, in dem er wegen öffentlicher Beleidigung zu 100 Mark Schadensersatz und zur Zahlung der Gerichtskosten verurteilt wurde.52


42 KARL J. RIVINIUS (Anm. 41), S. 68.
43 HORST GRÜNDER, Deutschland (Anm. 31), S. 227.
44 HORST GRÜNDER, Deutschland (Anm. 31), S. 228.
45 KARL MÜLLER (Anm. 2), S. 163.
46 KARL J. RIVINIUS (Anm.41), S. 69.
47 KARL MÜLLER (Anm. 2), S. 173.
48 KARL J. RIVINIUS (Anm. 41), S. 112.
49 Ebd.
50 Ebd., S. 115.
51 Ebd., S. 116.
52 Ebd.
Nachdem der Staat in aller Öffentlichkeit kompromittiert worden war, intervenierte der preußische Gesandte beim Vatikan direkt gegen die Steyler Missionare und forderte die Abberufungen des Präfekten Hermann Bücking, der Patres Franz Müller und Anton Witte aus Togo.53
Aus ihrem katholischen Glaubensverständnis heraus hatten sie die Togolesen vor Übergriffen, Willkürakten und Härten der Kolonialbeamten und sonstiger Europäer verteidigt. Sie lancierten zahlreiche Prozesse und Privatklagen zugunsten der Togolesen, um deren Rechte zu schützen und zu verteidigen.54 In ihrer täglichen Pastoralarbeit wurden die Patres mit den Resultaten der Freizügigkeit der deutschen Kolonialbeamten konfrontiert: mit schwangeren Mädchen, besorgten Vätern und Müttern und mit Mischlingen ohne Väter. Pater Bücking ließ sich aus der täglichen Not der Togolesen dazu hinreißen zu schreiben: Auf allen Wegen begegnen einem jetzt die Huren und Konkubinen, und das Geschlecht der Mischlinge sprießt bald auf wie das Unkraut. Später folgt in seinem Brief die Frage: Ob es nach dem Wunsch und Willen des Kaisers und des Kolonialrates sei, daß den zu Prügelnden die Prügelstrafe auf vollständig bis auf den letzten Faden entblößten Leib vor allen, die zuschauen wollen, erteilt werde?55
Eine von ihm entworfene Gesetzesinitiative zum Schutz der weiblichen Missionszöglinge, wie sie in Kamerun in Kraft war - dort konnten Frauen nur mit Zustimmung des Gouverneurs bei Europäern Dienst tun - , konnte von ihm in Togo nicht durchgesetzt werden. Auf diese Regelung hatte Domkapitular Hespers in einer mündlichen Unterredung mit dem Generalsuperior Janssen hingewiesen.56

Als sich die Steyler anschickten, im islamisch geprägten Norden Togos zu missionieren, für den aus politischen Erwägungen heraus ein Missions- und Besuchsverbot bestand, war das Maß voll.57 Die Intervention des preußischen Gesandten beim Vatikan hatte Erfolg. Pater Böcking mußte zum 1. Januar 1908 Togo verlassen, womit die Togolesen einen ihrer profiliertesten Vorkämpfer für ihre Rechte verloren.58
Daß es auch in der Folgezeit zu Übergriffen gegen die togolesische Bevölkerung kam, macht eine Eingabe der Eingeborenen von Lomé vom 12. Oktober 1913 an den Kolonialstaatssekretär Wilhelm Solf sichtbar, der zu diesem Zeitpunkt Togo besuchte.
Dort heißt es: Wir, die Eingeborenen von Lome beehren uns Ew. Exellenz herzlichst Willkommen heissen zu dürfen.
Ew. Exellenz wollen versichert sein, dass wir diesen hohen Besuch als grosse Ehre uns anrechnen. Anllässlich dessen, erlauben wir uns Ew. Exellenz Nachstehendes untertänigst zur hochgeneigten Berücksichtigung zu unterbreiten:
1. Bessere Organisation des Rechtswesens.
2. Beseitigung der Kettenhaft und der Prügelstrafe.
3. Bessere Gefängnisordnung.
4. Zulassung einer Vertretung der Eingeborenen in die Gouvernementsratssitzung.
5. Einführung eines allgemeinen Landesgesetzbuches.
6. Ermässigung der Steuer.
7. Frei-Handel für die Eingeborenen.

Es folgen detaillierte Ausführungen zu den einzelnen Punkten. Unterschrieben ist die Eingabe von O. Olympio, Theo W. Tamakloe, John Alf Byll, Th. Assah und anderen.59


53 KARL J: RIVINIUS (Anm. 41), S. 117.
54 Ebd.
55 KARL MÜLLER (Anm. 2), S. 132.
56 Ebd.
57 KARL J. RIVINIUS (Anm. 41), S. 119.
58 Ebd., S. 121.
59 HORST GRÜNDER, Deutschland (Anm. 31), S.142.
Wilhelm Solf, der von 1900-1911 Gouverneur von Samoa gewesen war60, hatte schon zu einem früheren Zeitpunkt dem Axiom von den "trägen" und "faulen" Naturvölkern heftig widersprochen und schien ein geeigneter Adressat für die Eingabe zu sein.61

1914 kam es zur Gründung der "Deutschen Gesellschaft für Eingebornenschutz". Mitglieder dieser Gesellschaft waren u.a. Vietor, Graf von Zech, Woermann, Erzberger etc.. Es handelte sich um denselben Personenkreis, der sich schon immer für mehr Rechte der Afrikaner eingesetzt hatte und nun konfessionsübergreifend u.a. für sie tätig werden wollte62. Bereits im Jahr 1908 hatte Erzberger, der gläubiger Katholik war, bei seiner Erklärung im Reichstag, dass auch "Neger" eine unsterbliche Seele hätten, erfahren müssen, dass ein Journalist auf der Pressetribüne in schallendes Gelächter ausbrach.63

Im Jahr 1914 erfolgte die Ernennung des Steyler Paters Franz Wolf zum Bischof
von Lomé.64 Zur Konsekration reiste er in Begleitung von Pedro Olympio nach Steyl, wo er am 28. Juni 1914 vom neuen Kölner Kardinal Dr. Felix von Hartmann zum Bischof geweiht wurde. Gleichzeitig erfolgte die Erhebung Togos zum Apostolischen Vikariat. Lomé hatte jetzt zwar seinen ersten deutschen Bischof, der aber tragischerweise aufgrund des Ausbruchs des Ersten Weltkrieges Togo nicht mehr betreten durfte.65
Pedro Oympio besuchte in Steyl bis Ende 1916 das Gymnasium und studierte anschließend in Deutschland Medizin.66 In seinen Semesterferien besuchte er regelmäßig das Steyler Mutterhaus. Nach seinem Eintritt in den Ruhestand wurde er zum Botschafter Togos in Bonn ernannt.

Der Erste Weltkrieg griff ebenfalls auf die deutschen Kolonien über. Da der stellvertretende Gouverneur von Döring Togo mit seiner Truppe von lediglich 400 Soldaten nicht gegen die Übermacht der angreifenden Engländer und Franzosen verteidigen konnte, versuchte er, eine Neutralitätserklärung Englands für Togo zu erreichen, aber ohne Erfolg.67 Daher zog er sich mit seinen Leuten nach Kamina zurück, wo er am 25. August 1914 kapitulierte.68 Die Engländer besetzten am 9.August Lomé, die Franzosen am 8. August Anecho.69 Der Erste Weltkrieg war in Togo bereits nach 14 Tagen beendet und die gefangenen Soldaten außer Landes gebracht.70
In den Übergabebedingungen Togos an England und Frankreich lautete eine Stelle: "Die Mission - katholische wie protestantische - bleibt im Land und tut ihre Arbeit wie zuvor"71, was jedoch später vergessen wurde, da die Engländer und Franzosen bereits 1916 Togo in einem Geheimdokument untereinander aufgeteilt hatten.72
Mit wechselnden Einschränkungen, bei denen die kirchenfeindlichen Franzosen härter und die Engländer kaum eingriffen, überlebten die Steyler Missionare die Besatzungszeit bis zum Juli 1917.73
Am 28. August 1917 feierten sie das 25-jährige Silberjubiläum ihres Bestehens in Togo.74

60 HORST GRÜNDER (Anm. 1), S. 182.
61 HORST GRÜNDER, Deutschland (Anm. 31), S. 228.
62 AEK, CR I 22.27.
63 RENATE HÜCKING, EKKEHARD LAUNER, Aus Menschen Neger machen,
Hamburg 1986, S. 93.
64 KARL MÜLLER (Anm. 2), S. 240.
65 Ebd., S. 241.
66 Ebd., S. 417.
67 Ebd., S. 251.
68 HORST GRÜNDER, Deutschland (Anm. 31), S. 298.
69 KARL MÜLLER (Anm. 2), S. 251 ff.
70 Ebd., S. 252.
71 Ebd., S. 256.
72 HORST GRÜNDER (Anm. 1), S. 138.
73 KARL MÜLLER (Anm. 2), S. 248.
74 Ebd., S. 270.
In diesem Zeitraum war die Anzahl der Katholiken von 57 auf 22.128 angewachsen und weitere 20.000 Taufbewerber erwarteten die Taufe.75
Am 11. Oktober 1917 lief ein größeres englisches Schiff im Hafen von Lomé ein.76 Parallel erfolgte aus London die Order, alle Missionare unter 45 müßten Togo binnen zwei Stunden verlassen. Die Nachricht verbreitete sich unter der Bevölkerung wie ein Lauffeuer, und alle versammelten sich in der Mission in Lomé.

Als fest stand, daß die Missionare Lomé für immer verlassen mußten, stimmten die Togolesen das Marienlied "Maria ho gbe siwo dom miele na wo" an, was übersetzt bedeutet, "Maria nimm das Gebet an, das wir an dich richten", und warfen sich auf den Boden, so daß die Missionare nur über die Körper der Togolesen steigend Togo verlassen konnten. Auch sie wurden nun in die englische Gefangenschaft abtransportiert.
Im Versailler Vertrag von 1919 wurde den Deutschen die Koloniefähigkeit abgesprochen77, wobei u.a. die Auseinandersetzung im Reichstag um Geo A. Schmidt sowie die Anschuldigungen von Erzberger und Noske gegen die deutsche Kolonialpolitik im Reichstag als Vorwand dienten.78
Die ehemaligen Kolonien wurden zu Mandatsgebieten des Völkerbundes erklärt und den Engländern und Franzosen unterstellt.79

Die Diplomaten des Vatikans waren beim Zustandekommen des Versailler Vertrages zugegen und hatten ihren Einfluß geltend gemacht, um den vollständigen Rückzug der deutschen Missionare aus den ehemaligen deutschen Kolonien zu verhindern, da sonst fast anderthalb Millionen Neuchristen ohne pastorale Betreuung in ihrer Muttersprache aufgegeben werden mußten.
In diesem Sinne schrieb der Erzbischof von Köln, Kardinal Hartmann, am 25. März 1919 einen Brief an Papst Benedikt XV, in dem er um die Vermittlung zugunsten der deutschen Missionen in Afrika, in britischen Territorien von Fernost und in China bat.80 Appelle an die Politiker blieben - was die Präsenz der deutschen Missionare in der Welt anging - ohne Erfolg.
Es gelang jedoch den Vertretern des Heiligen Stuhls, die Missionen unter anderer nationaler Leitung zu erhalten.

Aus den Erfahrungen der Verhandlungen griff Papst Benedikt XV. in seiner Enzyklika Maximum Illud vom 30. November 1919 das Thema der Missionstätigkeiten auf. Darin wurden mehrere fundamentale Prinzipien für die Missionstätigkeit gefordert, von denen die beiden wichtigsten lauten:
- Die Ausbildung eines einheimischen Klerus.
- Das Unterlassen jeglicher Form eines europäischen Nationalismus.
Das zweite Prinzip richtete sich konkret gegen die antiklerikal eingestellten Franzosen, die zwar ihren Antiklerikalismus nicht in die Kolonien transportieren, aber ihre französischen Missionare dazu benutzen wollten, die Afrikaner zu Racine-liebenden Überseefranzosen zu machen.81

Als in den Folgejahren klar wurde, daß die französische Regierung einem Einsatz deutscher Missionare in Togo nicht mehr zustimmen würde, übertrug man im Januar 1921 Togo wieder den Lyoner Missionaren; das deutsche Kolonialintermezzo in Togo war durch diese Entscheidung auch kirchenrechtlich beendet worden.82

75 KARL MÜLLER (Anm. 2), S. 249.
76 Ebd., S. 272.
77 HORST GRÜNDER, Deutschland (Anm. 31), S. 324.
78 ANDREJ MIOTK, Das Missionsverständnis im historischen Wandel am
Beispiel der Enzyklika "Maximum Illud" Sankt Augustin 1999, S. 49.
79 ANDREJ MIOTK (Anm. 78), S. 47.
80 Ebd., S. 52.
81 PETER HEBBLETHWAITE, John XXIII, Pope of the Council, Great Britain
1994, S. 102.
82 KARL MÜLLER (Anm. 2), S. 308.

Wegen der Kriegsfolgen (Geld- und Papiermangel) wurde das Informationsblatt des Afrika-Vereins "Gott will es" 1918 eingestellt. Da von England und Frankreich jegliche deutsche Missionstätigkeit unterbunden worden war, und sogar Afrikaner, die in Togo oder Kamerun die Kontakte zu Deutschen weiterpflegen wollten, sich Verfolgungen ausgesetzt sahen, wurde dem Afrika-Verein der deutschen Katholiken die Basis für seine Tätigkeit entzogen. Die Vereinsauflösung des Afrika-Vereins folgte konsequenterweise am 18. Mai 1920 unter Vorsitz des neuen Kölner Erzbischofs Dr. Karl-Joseph Schulte. Damit verlor Afrika, insbesondere Togo, für lange Zeit die deutschen Katholiken als Förderer ihrer Entwicklung und als Mitstreiter für ihre genuinen Rechte und es sah so aus, als ob sich das geschichtliche und kirchengeschichtliche Kapitel Togo für immer geschlossen hätte.83

Erst durch die politische Situation Togos im Jahr 1991 und den Folgejahren rückte dieses Land wieder in das Bewußtsein der deutschen Bevölkerung.
Zahlreiche Asylbewerber und einige Studenten aus Togo erinnern uns heute in den
französischsprachigen Gottesdiensten in Bonn, Köln und Düsseldorf an die koloniale Vergangenheit Deutschlands und an die Verantwortung, die die deutschen Katholiken für diese Brüder und Schwestern im Glauben vor über hundert Jahren grundgelegt haben.

Als Kardinal Meisner vom 29. Juli bis 8. August 1996 die Staaten Elfenbeinküste, Benin und Togo besuchte, wurde die Kathedrale von Lomé gerade renoviert.
Spontan entschied er, dass sich die Erzdiözese Köln neben dem Erzbistum München und dem Auswärtigen Amt an dieser Maßnahme beteiligte. Hieran erinnert in der Kathedrale von Lomé ein Fenster mit dem Wappen des Erzbistums Köln.
Seit 1975 wurden in Togo vom Erzbistum Köln weitere 126 Projekte in kirchlicher Trägerschaft mit einem Kostenaufwand von insgesamt 1,9 Millionen Euro über die Hauptabteilung Weltkirche-Weltmission finanziert.

So hat es fast 100 Jahre gedauert, bis der erste Kölner Bischof in Lomé eine heilige Messe feierte. Dabei scheute er sich nicht, auch deutlich die Einhaltung der Menschenrechte anzumahmen.84 Durch das Engagement der heute nahezu vergessenen Kölner Priester vom Schlage eines Domkapitulars Karl Hespers und eines Pfarrers Gottfried Hubert Nöcker ist die Missionstätigkeit der Patres Arnold Janssen und Daniele Comboni in Afrika entscheidend unterstützt worden. Die Kölner Katholiken haben hohen Anteil daran, dass Arnold Janssen im Jahr 1975 und Bischof Daniele Comboni im Jahr 1996 durch ihr Wirken für die katholische Kirche selig und am 5. Oktober 2003 gemeinsam heilig gesprochen worden sind.


Stand 4.11.2004

83 AEK ,CR I 22.27.
84 Presseamt des Erzbistums Köln vom 6.8.1996, Nr. 1614.

 

 

 

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